Erzbistum Paderborn geht nach der Aufarbeitungsstudie mit Menschen in den Dialog
Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der unabhängigen historischen Untersuchung der Universität Paderborn zu sexualisierter Gewalt an Minderjährigen hat das Erzbistum Paderborn zu drei regionalen Dialogveranstaltungen eingeladen. In Dortmund, Schmallenberg und Rheda-Wiedenbrück kamen jeweils mehrere hundert Interessierte zusammen, um mit der Bistumsleitung, der Betroffenenvertretung und Verantwortlichen aus dem Bereich Intervention ins Gesprä
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, die Generalvikare Thomas Dornseifer und Dr. Michael Bredeck, der Interventionsbeauftragte Thomas Wendland sowie Mitglieder der Betroffenenvertretung stellten sich den Fragen der Teilnehmenden und suchten bewusst den direkten Dialog. Ziel war es, Raum auch für sehr persönliche Rückmeldungen zu schaffen und die unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. Zugleich wurde deutlich, dass die Aufarbeitung nicht mit der Veröffentlichung der Studie abgeschlossen ist, sondern als fortlaufender Prozess verstanden wird. (Weitere Informationen dazu unter www.erzbistum-paderborn.de/aufarbeitung )ch zu kommen. Im Mittelpunkt stand dabei der offene Austausch über Fragen, Erwartungen und persönliche Resonanzen.
Auftakt in Dortmund: Viele konkrete Nachfragen
Die erste Veranstaltung im Dortmunder Kongresszentrum mit rund 200 Teilnehmenden war geprägt von einem starken Informationsbedürfnis und konkreten Nachfragen. Im Fokus standen mögliche Konsequenzen für noch lebende Beschuldigte, der Umgang mit der Nennung von Namen von Beschuldigen und Orten der Taten sowie Erwartungen an einen nachhaltigen Kulturwandel in der Kirche. Die Bistumsleitung erläuterte rechtliche und pastorale Rahmenbedingungen und betonte, dass es bei allen Entscheidungen eine sorgfältige Abwägung brauche, insbesondere aber im Hinblick auf den Schutz von Betroffenen.
Schmallenberg: Intensive Atmosphäre und offener Austausch
Eine besondere Gesprächssituation entwickelte sich in der zweiten Veranstaltung in der Stadthalle Schmallenberg, an der rund 500 Menschen teilnahmen. Hier entstand ein intensiver Austausch, der von vielen als „außergewöhnlich“ beschrieben wurde. Neben der Bistumsleitung war mit Burkhardt Stutenz erneut ein Vertreter der Betroffenenvertretung auf dem Podium präsent. In zahlreichen Wortmeldungen wurden persönliche Erfahrungen geschildert, Fragen gestellt und Erwartungen formuliert.
Der Austausch war geprägt von Ernsthaftigkeit und Offenheit. Die erkennbare Spannung zwischen der Verantwortung für institutionelles Versagen in der Vergangenheit und dem heutigen Engagement in der Aufarbeitung wurde bewusst thematisiert. Beide Perspektiven wurden im Verlauf des Abends angesprochen und miteinander in Beziehung gesetzt. Dass sich darüber ein offenes Gespräch entwickeln konnte, hoben mehrere Teilnehmende als wichtig hervor. Die Veranstaltung machte deutlich, dass ein ehrlicher Dialog auch über belastende Themen tragfähig sein kann.
Rheda-Wiedenbrück: Blick auf die Situation vor Ort
In Rheda-Wiedenbrück beteiligten sich im A2-Forum rund 250 Menschen am Austausch. Neben Fragen zu Konsequenzen und zur Prävention ging es hier verstärkt um die konkrete Situation vor Ort: Wie können Gemeinden mit den Ergebnissen der Studie umgehen, und wie kann ein sensibler Kontakt zu möglichen Betroffenen gestaltet werden? Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz betonte, dass die Studie überall im Erzbistum ein wichtiges Thema sein müsse, auch für die Gemeinden vor Ort. „Ich habe die klare Erwartung an die pastoralen Mitarbeitenden, dass sie dem Thema nicht ausweichen und es sensibel aufgreifen“, sagte er. Der Erzbischof kritisierte alle Versuche, die Studie zu relativieren: „Skepsis gegenüber den Ergebnissen der Studie ist nicht angezeigt.“
Unterstützung für die Auseinandersetzung könne durch das Erzbistum bereitgestellt werden. Erzbischof Dr. Bentz hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung des weiteren Austauschs hervor: „Es soll keinen Ort geben, an dem dieses Thema nicht besprechbar ist.“
Zugleich wurde betont, dass sich alle Maßnahmen im Umgang mit Verdachtsfällen und Veröffentlichungen konsequent an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren.
Fotos:
Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn
Michael Bodin / Erzbistum Paderborn
Nadja Ikonomopoulos / Erzbistum Paderborn
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