Mehr als ‚richtig‘ und ‚falsch‘: Der Beichtweg zur Erstkommunionvorbereitung
Am vergangenen Wochenende begaben sich bereits zum vierten Mal die Kinder des aktuellen Erstkommunionjahrgangs auf einen besonderen Beichtweg. Dieses pädagogische Konzept wurde entwickelt, um den Kindern einen zeitgemäßen, angstfreien und vor allem selbstreflexiven Zugang zum Sakrament der Versöhnung zu ermöglichen.
Selbstreflexion statt Sündenliste
Im Mittelpunkt des Weges steht nicht das Abgleichen des eigenen Verhaltens mit starren Verboten, sondern die Stärkung der eigenen Wahrnehmung. Gemeinsam mit einer vertrauten Bezugsperson erkunden die Kinder in Tandems verschiedene Stationen auf dem Klostergelände von Sankt Franziskus sowie im dortigen Gemeindehaus. Der Weg lädt dazu ein, über das eigene Leben, die Beziehungen zu Mitmenschen und zu Gott sowie die Verantwortung für die Welt nachzudenken.
Exemplarische Einblicke: Den Alltag in den Blick nehmen
Anstatt eine feste Liste von Verfehlungen aufzustellen, beleuchten die Stationen verschiedene Facetten des Lebens durch biblische Impulse und praktische Übungen.
So schauen die Kinder beispielsweise bei der Station „Das bin ich“ mit Hilfe eines Selbstporträts auf ihre eigenen Stärken und ihre Außenwirkung. Ein anderer Impuls widmet sich dem Thema „Streiten & Vertragen“: Unterstützt durch einen kurzen Filmbeitrag von „Checker Tobi“ reflektieren die Tandems, wie sich ein Streit anfühlt und warum Versöhnung manchmal so schwierig, aber befreiend ist.
Auch die Verantwortung für die Schöpfung spielt eine Rolle, wenn beim Mülltrennspiel der Blick für den Umweltschutz geschärft wird. Dass Versöhnung auch die Achtsamkeit für sich selbst einschließt, zeigt die Station zur Gesundheit, bei der eine Zahnbürste als Symbol für den guten Umgang mit dem eigenen Körper dient.
Der Erinnerungsfaden als Brücke zum Gespräch
Ein zentrales Element ist die Kordel, die die Kinder von Beginn an begleitet. An jeder Station wird ein passendes Symbol – wie ein kleiner Spiegel, ein aus Pfeifenputzern gebogener Blitz oder eine Blüte – in den Faden geknotet.
Dieser Erinnerungsfaden dient am Ende als Brücke für das Gespräch mit dem Priester. Anstatt auswendig gelernte Verfehlungen vorzutragen, können die Kinder anhand ihrer gesammelten Symbole ganz frei von ihren Gedanken, ihren Freuden und auch den Dingen berichten, die sie vielleicht traurig machen oder bei denen sie ein schlechtes Gewissen haben.
„Ganz anders als bei uns früher“ – Ein befreiender Perspektivwechsel
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden machen deutlich, wie sehr sich die heutige Vorbereitung von den Erfahrungen vergangener Generationen unterscheidet. Viele Eltern zeigten sich beeindruckt von der Tiefe der Gespräche, die an den Stationen ganz natürlich entstanden. In vielen Rückmeldungen schwang eine Erleichterung mit: Dieser Weg vermittelt ein völlig anderes Gefühl und Verständnis von Versöhnung, als viele Erwachsene es aus ihrer eigenen Kindheit in Erinnerung hatten.
Wo früher oft Druck oder das Auswendiglernen von Verfehlungen im Vordergrund standen, ermöglicht dieser Ansatz heute eine echte Entlastung. Ein Kind brachte sein Erleben am Ende treffend auf den Punkt, indem es den Weg schlicht als „leichte Beichte“ bezeichnete. Diese Leichtigkeit entsteht, weil die Kinder durch den „Erinnerungsfaden“ und die Symbole – wie den Blitz für Streit oder den Spiegel für das Selbstbild – eine eigene Sprache finden, um ohne Angst über ihr Leben zu sprechen. Es ist die Erfahrung, dass das Sakrament keine Hürde ist, sondern eine Einladung, Gottes liebende Zuwendung ganz persönlich zu erfahren.
Gottes liebende Zuwendung erfahren
Das Ziel des Weges ist es, die Beichte als Ort zu erleben, an dem ich unabhängig vom aktuellen Selbst- oder Fremdbild von Gott in Liebe aufgenommen werde und sie als positive Chance zur Neuorientierung zu sehen. Es geht um die Zusage, dass Gott uns bedingungslos liebt und wir immer wieder neu anfangen dürfen. Das Beichtgeheimnis garantiert dabei einen absolut geschützten Raum für alles, was die Kinder und jede Person im Beichtgespräch vor Gott tragen.
Eindrücke
Fotos: Daniel Feldmann







